Aus unserer Geschichte …


„Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast die Gefangene Jakobs erlöst; der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk und alle Sünde bedeckt.“
Psalm 85, 2-3
Am Ende der 1880er Jahre liegen die Anfänge unserer Ev. Stadtmissionsgemeinde in Saarbrücken. Damals trug die Ev. Stadtmission noch den Namen „Eben-Ezer“ („Stein der Hilfe,“ ein von Samuel aufgestellter Gedenkstein und die davon abgeleitete Ortsbezeichnung, siehe auch 1. Samuel 4,1).
Es begann mit der Erfahrung des oben genannten Psalmwortes. Es gab Menschen, die haben ihren Frieden mit Gott, der durch Jesus Christus in ihr Leben getreten war. Sie wollten nicht länger für sich selbst leben und nach ihrem vermeindlichen Lebensglück suchen. Sie hatten jenen Frieden gefunden, der nur in der Verbindung mit dem lebendigen Gott zu finden ist. Durch die Erfahrung, die sie als Menschen, die Jesus dem Christus folgten, machten, waren sie für Jesus und seine Sache, Menschen in Liebe zu begegnen und ihnen von der Möglichkeit geliebt und angenommen zu sein zu zeugen. Jesus wurde der Herr ihres Lebens. Jene Menschen schlossen sich zu einer Glaubensgemeinschaft zusammen und gründeten den Verein „Evangelischer Verein für Innere Mission“. Es waren Leute wie der Buchbinder Papst, die Schuhgeschäftsbesitzerin und Witwe Mertz, der Uhrmachermeister Georg Krämer und andere Personen. All diese Leute hatten einen großen Hunger nach dem Wort Gottes (der Bibel) und wollten darüber mehr erfahren. Es war ihnen wichtig, dass die Heilige Schrift im Mittelpunkt stand und sie schriftgemäß und recht ausgelegt werden sollte.
Der Freundeskreis damals in Saarbrücken wurde sich sehr schnell einig an den damaligen Direktor von St. Chrischona bei Basel die Bitte zu stellen, einen „Predigerbruder“ zu der wachsenden Gemeinschaft nach Saarbrücken zu senden.
In verschiedenen Briefen aus Saarbrücken (damals noch St. Johann): „Uns jammert des Volks, kommt herab von St. Chrischona und helft uns“ oder „Wir wollen die Verlorenen suchen, damit sie von Jesus hören. Wir wollen die Gefundenen pflegen durch das Wort Gottes und Gebet“.
Nach manchen Versuchen und Fehlschlägen war im November 1893 der richtige Zeitpunkt gekommen, wo man die Arbeit in Saarbrücken zielstrebig aufnahm.
Carl Heinrich Rappard
Carl Heinrich Rappard
Jetzt wartete man auf einen bevollmächtigten Seelsorger für die Saarbrücker Schar. Wann würde dieser kommen? Wann wird jemand von St. Chrischona gesandt? St. Chrischona selbst hatte immer den Ruf, unverfälschtes Evangelium zu lehren und bibelfeste Männer (damals gab es noch keine Ausbildung für Frauen) als Zeuge und Verkündiger auszusenden. Direktor Carl Heinrich Rappard erhörte die Bitte der Saarbrücker Freunde und sandte Friedrich Grau als ersten „Prediger“ (heute Gemeinschafts-Pastor) nach Saarbrücken. Dies war genau am 1. April 1894. Stadtmissionar (wie man die Gem.- Pastoren auch heute noch nennt) Friedrich Grau, ein Mann des Wortes. Seine Art der Auslegung war einfach aber zugleich sehr tiefgründig. Er gab das weiter, was er selbst im Gebet, im Meditieren und Hinhören von seinem Gott und Herr empfangen hatte. In der Viktoriastraße 23 war der erste Versammlungsraum der jungen Gemeinde. Friedrich Grau
Friedrich Grau

 

Auch damals musste diese junge Gemeinschaft die Erfahrung machen, dass der Teufel die Kinder Gottes nicht unbedingt in Ruhe lässt. Die Saarbrücker Gemeinde musste diese Erfahrung schmerzlich durchleben. Es gab immer wieder große Spannungen und Schwierigkeiten. So passierte es auch, dass die „Versammelung“ eines Tages, ganz unfreiwillig, draußen im Freien stattfinden musste, weil man die Stühle an die „Luft“ gestellt hatte. Die Frage stellte sich, ob es symbolisch war? Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Frommen an die Luft gehörten? Es wurde die Frage nach einem eigenen „Versammelungsraum“ akut. So kaufte man das Grundstück in der Johannisstraße 9. Das Grundstück in der Johannisstraße 9 wurde mit dem ersten Gemeindehaus bebaut. 1898 wurde das Haus eingeweiht. Wer glaubte, die Spannungen seien dadurch vorbei gewesen, dass man von „draußen“ in Ruhe gelassen würde, irrte sich. Nun entstanden Feindseligkeiten von „innen“. Christlich getarnt nennt man solche bitteren Wurzeln: „Missverständnisse, Verständnislosigkeit usw.“, und nur der Heilige Geist vermag die „christlichen Spannungen“ recht aufzuhellen. Im Licht des Heiligen Geistes offenbaren sich die leidigen „Missverständnisse“ sehr oft als fromme Selbstpflege, Geltungsdrang, Zungensünden, das Erkalten der Geschwisterliebe. Es bedarf dann keiner Erklärung, wenn aus jener Zeit berichtet wird: „Manchmal befand sich Bruder Grau abends im leeren Saal“. Diese Rache des Fernbleibens wird schon immer angewandt, und nicht nur in Saarbrücken. Dass der größte Verlust auf den Fernbleibenden selbst fällt, mag diese These sein, wer es aber im eigenen Leben erfahren hat, wird es bestätigen. In diese Schmerzen streitender Brüder kam zusätzlich noch eine besondere, harte Prüfung: im Juni 1898 wurde die Frau von Pastor Grau und Mutter der beiden kleinen Jungen von Gott aus dieser Zeit in die Ewigkeit abgerufen. Pastor Friedrich Grau aber verzagte nicht. Er wusste um den, der wahren Trost schenkt. Den Gott, der die Geringen tröstet, erweist sich auch in dieser Situation als der Gott des Trostes und als Vater der Barmherzigkeit. Eintragungen aus dieser Zeit berichten davon, dass Bruder Friedrich Grau getragen und gehalten wurde.
Nach etwa vierzehn Monaten der Einsamkeit und des Alleinseins hat Pastor Grau eine neue Lebensgefährtin, Ehefrau, und für die beiden kleinen Jungen eine Mutter gefunden. Im August 1899 fand die Hochzeit statt.
Neben der vielseitigen Arbeit an Erwachsenen, entstand eine große Kinderarbeit. Sonntag für Sonntag kamen etwa hundert bis hundertfünfzig Kinder. Wie Schwämme saugten sich die Kleinen voll der wunderbaren Bibelgeschichten. Sie waren ganz bei der Sache und noch drangen kein Zweifel und keine Skepsis in ihre Herzen. Ihr Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes war größer als alle Einwände einer „bockköpfigen Vernunft“ (Jung-Stilling). Ausflüge an warmen Sommertagen und die Weihnachtsfeiern bildeten die Höhepunkte. Wie konnten sich die Kinder damals noch an bunten Bibelsprüchen oder anderen bescheidenen Geschenken freuen. Die Arbeit wuchs und der Same des Wortes Gottes fiel auf aufnahmebereite Herzen. Ohne Pathos darf wohl gesagt werden, die Ewigkeit wird diese Frucht einmal enthüllen, die durch die treue Kinderarbeit in die Herzen gelegt werden durfte.
Als Begleiterscheinung zu den mancherlei Freuden im Dienst des Herrn wechselten mit konstanter Beharrlichkeit die Spannungen und Schwierigkeiten seitens der Mieter, der Behörden und mancher Pfarrer.
Seit 1891 bestand schon ein „Jünglingsverein“. Er wurde später „Christlicher Verein junger Männer“ (CVJM) genannt und angeschlossen an den Westdeutschen „Jungmännerbund“. Freudig scharten sich die jungen Männer um das Wort Gottes. Weder ihre tägliche schwere Arbeit, noch der relativ späte Feierabend konnten sie hindern, ihre Bibelstunde zu besuchen. Das Wort Gottes hatte Raum in ihren Herzen. Sie lebten aus dem Ursprünglichen und der moderne Firlefanz unserer Zeit, das Wort Gottes hinter einer bunten Verpackung darzureichen (meist bleibt es nur bei der Verpackung), kam damals nicht an. Sie hatten erkannt, wenn uns das Wort nicht hält, was wird uns dann halten? An dieser Stelle sollte sich die Gemeinde Jesu nicht imponieren lassen, wenn die Kosten einer verwässerten oder einer verfälschten Botschaft der Jugend das „ärgernislose Evangelium“ schmackhaft gemacht werden soll. Es geht nicht darum, Jugend (oder auch alle anderen Menschen) zu begeistern, vielmehr bleibt die Verantwortung jedes Gotteskindes, Jesus zu bezeugen. Auch heute brauchen die Leute Schwarzbrot des Wort Gottes, um das wirkliche Leben zu gewinnen. Wir können nicht über unseren Herrn hinausgehen, der eine begeisterte Menge durch seine „harte Rede“ vertrieb und sogar seine zwölf Jünger fragte: „Wollt ihr auch gehen?“ (Johannes 6)

 

Der Mädchenkreis damals wurde von der zweiten Frau des Stadtmissionars Grau gleitet. Sie tat es mit soviel Hingabe und Freude, dass die Mädchen gerne kamen und dazu sich wohl und heimisch fühlten. Auch in dieser Stunde stand das Wort Gottes ganz im Mittelpunkt. Die Mädchen übernahmen auch Besuchsdienste. Sie gingen zu Alten und Kranken hin und schenkten diesen ein wenig Freude.
Saarbrücken war reich an Gottes Wort. Besonderen Anziehungspunkt und Höhepunkt für die Gemeinde bildete die jährlich stattfindende Osterkonferenz. Von Nah und Fern kamen Menschen herbei, um die Siegesbotschaft des Evangeliums zu hören. Treue Jünger Jesu teilten nach dem Maß ihrer Gaben der großen, lauschenden Gemeinde das Brot des Lebens aus. Manche Namen jener Zeit werden genannt: Direktor Rappard; Pfr. Wittekind; Pfr. Modersohn; Nachfolger von Direktor Rappard, Direktor Veiel; Pfr. Zeller; Oberstleutnant von Knobelsdorff; Evangelist Jakob Vetter; Fritz Ötzbach und viele mehr.
Am 17. November 1907 war dann ein ganz besonderer Tag. Das neu erbaute Gemeindehaus in der Bismarckstraße 20 wurde eingeweiht. In der Folgezeit schenkte der HERR manch klare Bekehrung. An der Stirnseite der Kapelle stand das aufrüttelnde Gotteswort: „Lasset euch versöhnen mit Gott“. Dieses Wort ist keine unverbindliche Formel, vielmehr zieht es Konsequenzen des bekannten Römerwortes nach sich: Wie aber sollen wir an den glauben, von dem wir nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? „Wie sollen sei aber predigen, wo sie nicht gesandt werden (Römer 10,14-15)? Ob in der gegenwärtigen Zeit nicht an diesem Punkt die größte Not liegt, dass Berufung mit Beruf verwechselt wird, dass weithin die unauslotbare Verantwortung der Zeugen Jesu nicht mehr gesehen wird, wie zur Zeit der Väter? Kapell 1907
Kapelle 1907
Die Stadtmissionsgemeinde hatte neben der Arbeit in der eigenen Stadt brennende Herzen für die äußere Mission. Sie wussten, die Brüder an der vordersten Front brauchen Heimatgemeinden, die mit ihren Gaben und Gebeten hinter ihnen stehen. So kamen auch in die Gemeinde Saarbrücken manche Missionare. Sehr häufig besuchte Missionar Merten von der Brüdergemeinde in Labrador die Geschwister der Stadtmission. Seine fesselnden Reden ließen vor Augen und Ohren der innerlich mitgehenden Hörer die fernen Lande entstehen.
Ein Jahr nach der Einweihung des neuen Hauses in der Bismarckstraße wurde der treue Knecht, Lehrer Thum, im Alter von 86 Jahren von seinem Herrn heimgerufen. Er hinterließ eine große Lücke. Das ist in der Gemeinde des Herrn ein Notfall, sofern ein Bruder sich ganz dem Herrn hingibt und nicht seine eigene ungeheiligte Atmosphäre verbreitet. Wie viele Menschen wird er getröstet haben bei seinen Besuchen, bei den unbelauschten Taten echter Bruderliebe, die der Herr wahrgenommen hat? Auch Bruder Grau besuchte mit regelmäßiger Treue seine Gemeindeglieder, besonders die Alten und Kranken. Hier fand er auch immer wieder Stoff für die lebendige Auslegung des Wortes Gottes: denn die Armut mancher Dachstube oder die Schatten lichtloser Erkerzimmer, die erwartenden Augen kranker und alter Menschen, verboten ihm von vornherein eine wässrige, von Menschen zurechtgestutzte Botschaft. Voll und rein ließ er den Glanz des alten Evangeliums in die angefochtenen Herzen fallen, und dann brach die Ewigkeit wie eine Flut herein. Solche heiligen Stunden können in keinem Bericht wieder gegeben werden. Stadtmissionar Friedrich Grau und seine Familie verließen 1922 Saarbrücken nach 28 Jahren. Dass nach so langer Zeit sein Herz am Saarland hing war gut zu verstehen. Gerne kam er nach seiner Versetzung immer wieder nach Saarbrücken. Die Knechte des Herrn werden abgerufen, die Botschaft aber bleibt. So kam auch die Stunde, dass Friedrich Grau auf einer Reise im Zug von seinem Herrn am 8. Oktober 1936 heimgeholt wurde.

 

 

Paul Bernhardt
Paul Bernhardt
Als Nachfolger vor Friedrich Grau kam im Oktober 1922 Friedrich Beier in die Arbeit. Wie durch seinen Vorgänger empfing die Gemeinde auch durch ihn gesunde biblische Kost, frei von allen Brocken des Zweifels und menschlicher Spekulationen. Dass in solch einer Atmosphäre eine Gemeinschaft geistlich vorwärts kommt, bedarf keiner näheren Erläuterung, denn im Wort selbst haben wir die Verheißung: „Mein Wort soll nicht leer zurück kommen …“.
Prediger Sturm, frisch vom Seminar kommend, unterstützte ihn als Gehilfe in der Arbeit. Nur knapp fünf Jahre wirkte Stadtmissionar Friedrich Beier in der Eben – Ezer – Gemeinde (heutige Stadtmission) , dann hieß es, die Zelte abbrechen. Sein Weg führte ihn nach Ostpreußen, in das Land der dunklen Wälder und leuchtenden Seen. Dort wurde Friedrich Beier auch Inspektor (durch die große Chrischonaarbeit in Ostpreußen gab es eigenen Inspektor für diese Arbeit). Friedrich Beier starb im hohen Alter von 88 Jahren am 12. Februar 1964.
Friedrich Beier
Friedrich Beier
Der Nachfolger von Bruder Sturm war Prediger Heintze, der nach nur sechs Monaten in die Abessinien – Mission (1925) ging. Seine Grüße aus Abessinien erweckten unter den Freunden manche Herzen für diese Missionsarbeit.
Prediger Stefan diente von 1925-1926. Ihm folgte Prediger Wenzel, der später die kleine Arbeit in Alt – Saarbrücken übernahm.
Stadtmissionar Paul Bernhardt, unterstützt von dem jungen Bruder Fries, leitete bis 1930 die Stadtmission. Er, Paul Bernhardt, starb mit nur 48 Jahren am 3. Dezember 1934.
August Langenkamp
August Langenkamp
Nach den vielen Wechseln der Brüder, erhoffte sich die Gemeinde, dass Stadtmissionar August Langenkamp, ein lebendiger, fröhlicher Zeuge, einige Jahre bei ihnen bleiben würde. Er hatte ein Herz für die Jugend und für die „namenlosen“ Leute, die nicht in den Vordergrund traten. Zu ihm fühlten sie sich hingezogen. Sein sonniges Wesen steckte an. Er lebte der Gemeinde vor, das die Freude der Kinder Gottes nicht nur innerlich strahlt, zumal bei dieser Innerlichkeit bei vielen Geschwistern kein Schimmer nach außen dringt, und sie mit ihren maskenhaften Gesichtern weder die Welt, noch die eigenen Geschwister glaubhaft überzeugen können, dass Glaube an Jesus Christus etwas mit Freude zu tun hat. Jene Zeit, wo herzliches Lachen und echter Humor der Kinder Gottes als Geistesmangel bzw. Geistesdämpfung galten, war höchst ungesund, und solch düsteres Heiligungsstreben hatte weder für die Welt Anziehungskraft, noch brachte sie die Gläubigen voran. Darum wirkte die frohe Art von Bruder Langenkamp wie ein Frühlingswasser. Nach Gottes unerforschlichem Rat erging an Bruder Langenkamp, unfassbar für die Gemeinde, der ernste Ruf aus Psalm 90 „Komm wieder Menschenkind …“. Am 1.November 1932 verstarb Prediger August Langenkamp völlig überraschend im Stadtmissionshaus nach noch nicht zwei Jahren Dienst im Alter von 51 Jahren. Zurück blieben eine trauernde Gemeinde und der mit schwerer Verantwortung beladene junge Prediger Keppler. Getragen von den Gebeten der Geschwister und gestärkt durch das Vertrauen der Anvertrauten, tat er seinen Dienst bis 1933. Gerne hätte ihn die Gemeinde noch behalten, doch er wurde versetzt.

 

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Heinrich Schmidt
Nach dem plötzlichen Tod von Pastor August Langenkamp im November 1932 und der Überbrückung durch Pastor Wilhelm Keppeler Übertrug man Pastor Heinrich Schmidt aus Gießen die Arbeit in Saarbrücken. Es war der 26.03.1933 als Pastor Heinrich Schmidt hatte das Lied: „Steil und dornig ist der Pfad …“ in eigener Betroffenheit erfahren müssen. Selbst in schwerer Krankheit, hart am Rande des Todes liegend, erreichte ihn die Nachricht vom Heimgang seiner geliebten Ehefrau. Auch wenn er dem Leben zurück gegeben wurde, so blieb doch seine Gesundheit immer angegriffen und erschüttert. Von dem Pastorengehilfen, Bruder Völtz, unterstützt, betreute Pastor Heinrich Schmidt bis Herbst 1937 die Stadtmissionsgemeinde Saarbrücken und wurde dann nach Konstanz an den Bodensee versetzt. In seine Dienstzeit in Saarbrücken fiel auch 1935 das wichtige politische Ereignis der Saarabstimmung. Prediger_Keppeler
Wilhelm Keppeler
Am 13. Januar 1935 stimmte eine Überwältigende Mehrheit der Saarländer für die Angliederung des Saargebietes an das dritte Reich an Hitler Deutschland. Am 1. März 1935 fand dann die Rückgliederung des Saarlandes ans dritte Reich statt. Es herrschte ein großer Jubel unter dem Volk. Pastor Friedrich Grau und Pastor Friedrich Beier kamen damals mit allen stimmberechtigten Familienmitglieder ins Saarland, um freudig ihr Ja zu geben. Es gab ein herzliches Wiedersehen und Grüßen mit der Stadtmissionsgemeinde . Im Mai verabschiedete sich Pastor Völtz und Pastor Preuß folgte ihm auf den Posten in Saarbrücken. Dann fand 1937 den bereits erwähnte Wechsel statt. Pastor Heinrich Schmidt starb am 17. Mai 1967 im Alter von 83 Jahren.
Friedrich_Werner
Friedrich Werner
Als Nachfolger von Pastor Heinrich Schmidt wurde Pastor Friedrich („Fritz“) Werner 1937 in die Arbeit nach Saarbrücken vom Komitee der Pilgermission St. Chrischona berufen. Er tat seinen Dienst mit Freuden und ließ die Gemeinde teilhaben am riechen Schatz des Wortes Gottes. Aber schon langsam zeichnete sich immer mehr am Horizont die unheilvollen Vorboten eines Geschehens ab, das in den zweiten Weltkrieg münden sollte. Im Herbst 1939 ging die Gemeinde in die Fremde und auch Pastor Friedrich Werner und seine Frau mussten Saarbrücken mit der Bevölkerung weg. Ganz Saarbrücken wurde evakuiert. Nach einem Jahr, 1940, kehrten die meisten wieder wohlbehalten nach Saarbrücken zurück. Doch dann wurde Saarbrücken immer wieder von verheerenden Bombenangriffen heimgesucht. Der Krieg, der von deutschem Boden ausgelöst wurde, kam zurück ins Reich und nach Saarbrücken. Manche wunderbare Bewahrung aus jener Zeit gab es zu berichten. Und immer wieder traf das Gottes Wort aus Jesaja 43,2 zu: „Denn so du durch Wasser will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht sollen ersäufen; und so du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen“.
Zum neunundvierzigsten Jahresfest 1942 hielt Professor Köberle die Festansprache über das Thema: „Leben aus der Kraft Gottes“. Ein Jahr später, beim fünfzigsten Jahresfest musste das Fest ohne Grüße aus St. Chrischona (Schweiz) stattfinden. Aber zur großen Freude der Stadtmissionsgemeinde in Saarbrücken waren die ehemalige Gemeindepastoren Friedrich Beier und Heinrich Schmidt bei der Feier anwesend. Diese machten der Gemeinde großen Mut und bestärkten die Gemeinde durch einen Reichtum aus dem Wort Gottes. In der anschließenden Woche gab es eine Bibelwoche mir Pastor Heinrich Schmidt an den Abenden. Für so manches Gemeindeglied waren diese Tage die letzten geistlichen Impulse. Einige mussten in der folgende Zeit, durch den Krieg bedingt, das Todestor durchschreiten. Durch den verheerenden Bombenhagel, der immer wieder über der Grenzstadt Saarbrücken niederging, lebten die Menschen unter den Fittichen des Todes. Täglich erlebten sie die Verluste, aber auch die fürsorgliche Hand Gottes. Im Herbst 1944 musste die Stadt Saarbrücken erneut wieder evakuiert werden. Wieder brachen alle Gemeindeglieder in die Fremde auf.

 

Gottes schirmende Hand lag sichtbar über dem Missionshaus und der alten „Eben-Ezer“ Kapelle in der Bismarckstraße 20. Sage und Schreibe drei Bomben fielen in den Hof, aber keine explodierte. Auch mussten Pastor Friedrich Werner und seine Ehefrau Marta einige Zeit im Keller leben, wie viele andere Saarbrücker auch, war doch jene schützende Hand spürbar da. Nach fast einem Jahr kehrten die Glieder der Stadtmission heim. Etliche hatten in der Fremde den Tod gefunden. Am 17.Juni 1945 kam man zur ersten Bibelstunde zusammen. Das Wort Gottes lief trotz der Fremdherrschaft und der Besatzungsmächte weiter. Nach dem Zerbruch des deutschen Größenwahns, der so viele Ruinen und Elend über die Menschen brachte, wehte ein zarter Wind der Sehnsucht der Menschen nach einer festen Hoffnung. Die Besucherzahl wuchs. In den Sonntagabendstunden legte Pastor Werner das Nehemia- Buch aus dem Alten Testament aus. In jenem Buch, wo von dem zerstörten Jerusalem und dem Wiederaufbau durch Gottes Beistand berichtet wird. Pastor Werner zog wichtige Linien zur gegenwärtigen Geschichte. Man wechselte vom kleinen Saal (heutiges „mittendrin“ und Kinderraum) wieder rüber in die Kapelle. Auch die Bibelstunden waren gut besucht. In jener ersten Nachkriegszeit fanden auch einige andere Gemeinden, deren Häuser und Kirchen zerbombt waren, Heimat in den Räumen der Stadtmission. Die altkatholische Gemeinde nutzte das gewährte Gastrecht bis ins Jahr 1967. Kinderraum

 

Kapelle 1928 Während des Jahreswechsels 1947 / 1948 wurde Saarbrücken von einer der größten Hochwasserkatastrophen seit 150 Jahren heimgesucht. Die Saar war zu einem großen und mächtigen Strom angestiegen und das Wasser stand bis weit in die Innenstadt, weit über 1 m. Ihre schmutzige und braune Flut strömte auch in die Räume der Stadtmission samt Kapelle und richtete großen Schaden an. War man im Krieg noch gut weggekommen, so traf die Flut die Stadtmission hart. Immerhin liegt das Missionshaus gerade mal ca. 70 Meter Luftlinie vom Flussbett entfernt. Zwar konnte nach dem Rückzug des Wassers wieder einiges hergerichtet werden, so blieben wohl doch auch Schäden am Fundament der alten Kapelle.
In Bischmisheim war der Besuch der Bibelstunde ebenfalls gut.
Die Botschaft der Bibel fand Raum in den Herzen. Und die ‚Frohe Botschaft’ spiegelte sich auch in den Augen der Menschen, die so viel Leid und Elend geschaut hatten. Bis 1949 kam in einer großen Stube eine Schar von Menschen zusammen, um Gottes Wort, die Bibel zu lesen. Durch den positiven Zuspruch und die wachsende Zahl der Teilnehmer, stellte sich die Frage nach einem eigenen Gemeinderaum. So baute man 1949 einen kleinen Saal, der noch im gleichen Jahr eingeweiht wurde. Die Anfänge in Bischmisheim liegen schon sehr weit zurück. Diese Arbeit ist mit den Namen Kunz, Maurer und Nemenich verbunden. Deren Rufen Pastor Friedrich Grau gerne aufnahm. Weiterhin waren es viele andere, deren Namen hier nicht aufgeführt sind, vielleicht sogar in Vergessenheit geraden sind. Sie haben in Treue und mit ihren Gaben und auch ihrer Zeit der Gemeinschaft in Bischmisheim und ihrem himmlischen Vater gedient. So sollte auch gerade der erste schriftliche Eintrag von Bischmisheim aus dem Jahre 1895 verpflichten und auch ermuntern zu fröhlichem Gebet: „… der Herr öffnet verschlossene Türen, und die Arbeit erweitert sich mehr und mehr.“
Im September 1949 war eine besondere Feierstunde. Die vom Hochwasser stark beschädigte, nun ganz neu renovierte Kapelle „Eben-Ezer“ in der Bismarckstraße, wurde wieder in Dienst genommen. Inspektor Walter Gutzke von St. Chrischona und Kirchenrat Wehr grüßten die Festge-
meinde. 1954 wurde Pastor Friedrich Werner von einer schweren Krankheit befallen, einer Infektion am Kopf. Längere Zeit konnte er keinen Dienst tun, doch er konnte seine Gesundheit wieder erlangen. Dann im Jahre 1955 erlitt die Stadtmissionsgemeinde einen sehr schweren Verlust mit dem Tod von Herrn Horstmann. Herr Horstmann war eine der Säulen der Gemeindearbeit schlichtweg. Aber die Sache Gottes, der der Herr seiner Gemeinde ist und bleibt, ging weiter. Der 17. Juni 1956 wurde noch ein ganz besonderer Festtag. An diesem Tag wurde die Jugendarbeit der weltweiten EC - Bewegung (EC = Jugendbund für entschiedenes Christentum) angegliedert.

 

Das Jahr 1960 brachte eine einschneidende Veränderung mit sich. Pastor Friedrich Werner, der nun 23 Jahre in der Stadtmissionsgemeinde gewirkt hatte, trat in den Ruhestand. Friedrich Werner wohnte jedoch bis zu seinem Tod im Jahre 1987 im 2. Obergeschoß des Stadtmissionshauses. Es waren ziemlich genau 50 Jahre, wo Friedrich Werner im Stadtmissionshaus in der Bismarckstraße 20 lebte. Schwester Meta Gnade nahm nach 6-jähriger Tätigkeit in Saarbrücken ebenfalls ihren Abschied und übernahm eine Jugendarbeit in Frankfurt a. Main. Die Nachfolge von Pastor Friedrich Werner trat Pastor Gerhard Albrecht an, der bis dahin seinen Dienst in Hessen versah. Pastor Albrecht war ein sehr fröhlicher Jesus Nachfolger. Auch waren seine Verkündigungen durch einen reichen Tiefgang geprägt. Aber dennoch waren auch die Jahre von Gerhard Albrecht Jahre, die auch viel Schweres mit sich gebracht haben.

So starben in diesen Jahre viele treue Gemeindeglieder. Ihr Tod riss immer wieder empfindliche Lücken im Gemeindealltag. Aber es kann auch von Schönem in diesen Jahren berichtet werden. So konnte ein Posaunenchor gegründet werden. Zugegeben, er war zunächst ein kleines Pflänzlein, das sich aber über viele Jahre als überlebensfähig erwies. In den Jahren von Pastor Gerhard Albrecht wuchs der Wunsch in der Gemeinde, die alte „Eben Ezer“- Kapelle durch einen Neubau zu ersetzen. Es sollte ein zweckmäßiges und modernes Gebäude werden.

Doch am Anfang des Jahres 1966 ereilte das Ehepaar innerhalb von 8 Tagen zwei Todesfälle im engsten Familienkreis. So beschlossen Albrechts eine Pfarrstelle in ihrer Norddeutschen Heimat St.Margarethen anzutreten. 1966 folgte dann nach 5 ½ Jahren der Wegzug aus Saarbrücken. Dort wirkte Pfarrer Gerhard Albrecht sehr segensreich bis zu seinem frühen Tod mit gerade einmal 59 Jahren, im Januar 1990. Nach Pastors Albrecht Weggang folgten zunächst einige Monate der Vakanz.

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Diese Vakanzzeit wurde von pensionierten Pastoren, Pastorenbrüdern und ehrenamtlichen Männern aus ganz unterschiedlichen Berufen getragen. Gerade dieser Einsatz von den Menschen, die sich in der Gemeindearbeit der Stadtmissionen einbringen, ist ein ganz besonderes Kennzeichen unserer Gemeindearbeit. Wir sind Gemeinde! Auf Pastor Gerhard Albrecht folgte nun Pastor Otto Goy. Auch Pastor Goy kam wie sein Vorgänger, aus einer Gemeindearbeit
 in Hessen. Otto Goy übernahm nicht nur die wichtigen Dienste wie die Predigt im Gottesdienst, Bibelstunden, Jungendarbeit, Haus- und Krankenbesuche und was alles zum Dienst eines Pastors gehören, nein, er wurde gleich mit den Bauabsichten der Gemeinde konfrontiert. Anlass war, dass die alte Kapelle wohl sehr dunkel war. Außerdem waren noch immer Schäden am Fundament als Folge des schweren Hochwassers von 1947/48. Über die Dunkelheit der alten Kapelle wurde gesagt: „Wenn man von der alten Kapelle der Stadtmission sagen musste, sie sei ein wenig dunkel, so wird jeder ‚Eingeweihte’ zugeben, dass hier die sanfteste Formulierung gewählt wurde“. Es war geplant, dass ein Neubau mehr natürliches Licht haben sollte. Pastor Otto Goy griff den Plan auf und setzte sich mit den Verantwortlichen der Gemeinde zusammen und es entstand der Neubau der heutigen Kapelle. Es war ein sehr großer finanzieller Akt, diesen Plan in die Realität umzusetzen. Aber nicht nur von der Finanzseite her waren Opfer notwenig. Es waren auch viele ehrenamtlichen Helfer da, die Zeit, Arbeitskraft und auch oft in dieser Zeit ihre Familien und das eigene Zuhause zurückstellten. Sicherlich waren auch das teilweise sehr schmerzliche Opfer, die diesen Bau verwirklichten. Ende August 1967 wurde mit dem sehr schwierigen Abbruch der alten Kapelle begonnen. Bereits im Oktober konnte der Neubau beginnen.
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Nach vielen Stunden und Wochen harter Arbeit, unter mancherlei Anfechtung und klaren Gebetserhörungen, erlebte die Stadtmissionsgemeinde am 12. Mai 1968 den großen Tag der Einweihung der neuen Kapelle. Der neue lichterfüllte Raum hallte wider voll Lob und Dank gegen den treuen Gott, der alles so herrlich gefügt hatte.
Kapelle „Lasset euch versöhnen mit Gott!“ Ganz bewusst hat man dieses Wort aus der alten Kapelle in die neue übernommen, um auszudrücken, dass fortan auch den Menschen unserer Tage die Botschaft von dem Christus, des Gekreuzigten und Auferstandenen, ohne Abstriche verkündigt wird.
 

Bei allem Einsatz für die neue Kapelle wurden gleichzeitig umfangreiche Vorbereitungen für eine evangelistische Großveranstaltung mit dem Janz – Team getroffen. Zur Freude vieler Nachfolger Jesu schenkte Gott bei der dreiwöchigen (!) Evangelisation im März und April 1968 klare Entscheidungen für Jesus Christus. Einige Gemeinden der evangelischen Allianz hatten es in Zusammenarbeit mit dem Janz – Team im Glauben gewagt, in der lebenshungrigen Zugluft einer quirlenden Großstadt das Netz des Evangeliums auszuwerfen. Trotz mancher Skepsis, dass die geräumige Kongresshalle kaum zu füllen wäre, wurde deutlich, dass man das Wirken des erhöhten HERRN nicht vorausberechnen kann. Es blieb noch die schwache Möglichkeit, es als „Begeisterung“ zu taxieren. Aber es durfte erlebt werden, dass über Saarbrücken das Wort Gottes stand: „Rede und schweige nicht, denn ich habe ein großes Volk in deiner Stadt!“ (Apostelgeschichte 18,10).
Obwohl man die Kraft für die Fürbitte nicht mit der Elle (Zollstock) messen kann, darf der Glaubende wissen, treues Einstehen im Gebet ist eine biblische Vorraussetzung für das Wirken des Heiligen Geistes. 
An dieser Stelle endet der geschichtliche Rückblick aus dem Jahre 1968 und geht in eine Dankeshaltung Gott gegenüber. Aber die Geschichte der Ev. Stadtmissionsgemeinde Saarbrücken hat bis in unsere Tage nicht geendet. So ist die Stadtmissionsgemeinde Saarbrücken eine der ältesten (wahrscheinlich die älteste) Gemeinde neben den Landeskirchen in der Landeshauptstadt. Mit dem amtierenden Gem.-Pastor waren es 14 Männer, die dieser Gemeinde vorstanden. Es waren unzählige Mitarbeiter, die sich in ihrer Freizeit investiert und eingebracht haben. Es waren die Freunde und Mitglieder, die Arbeitskraft, Finanzen und Zeit opferten. Von den allermeisten sind uns heute nicht mal mehr die Namen bekannt. Trost ist, dass kein einziger Name, keine Person bei Gott vergessen wird. Im Jahre 2013 begeht die Stadtmissionsgemeinde ihr 120-jähriges Bestehen. Sicherlich wurden in dieser langen Zeit auch Menschen verletzt und enttäuscht. Das ist auch ein schmerzlicher Punkt in so einer langen Geschichte. Es zeigt uns, dass es immer Menschen sind, die verletzen können und auch nicht vollkommen sind. Die Kehrseite der „Münze“ ist aber auch, dass sehr viele Menschen durch diese Gemeinde gegangen sind und Gutes, Prägendes erleben durften. Dass Menschen in 120 Jahren auch mit Jesus dem Herrn des Lebens in Berührung gekommen sind. So möchten wir im Auftrag unseres Gottes weitergehen. Sicherlich hat sich die Gemeindearbeit im Laufe von 120 Jahren verändert, genauso wie unsere Gesellschaft selbst. Aber es bleiben Herausforderungen denen wir uns gerne stellen. Am Ende bleibt mir nur zu sagen: Soli deo Gloria! (Allein Gott die Ehre!)

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